Das diesjährige Treffen zur Demeter Weiterbildung der Winzer, wurde von Mathilde und Rafael Hug vom Weingut Wegelin organisiert.
Der Start zum spannenden Rebrundgang erfolgte ab Bahnhof Malans. Hier liegen die untersten Reblagen auf rund 530 m.ü.M und sind vor allem mit Weissweinsorten wie Müller-Thurgau bestockt. Die Lagen sind hier eher flach und nach Süden und Südosten ausgerichtet. Die über 90ha Malanser Reben liegen alle auf dem Schuttkegel rund ums Dorf. Die Bodenverhältnisse können recht unterschiedlich sein, mehr oder weniger vom Bündner Schiefer geprägt.
Beim zweiten Halt, beim Rebhaus des Weingut Wegelin am unteren Selviweg, erfuhren wir von Rafi, dass das Weingut seit 2022 eine kupferlose Behandlungsstrategie verfolgt. Gegen Falschen Mehltau wird Myko-Sin und gegen Echten Mehltau Schwefel eingesetzt. Zudem kommt auch Schachtelhalm mit den Präparaten zum Einsatz. Aktuell wurden acht Behandlungen bis zum 18. Juli durchgeführt. Mit 500L Wasser, immer durch alle Gassen gefahren. Innert 4 Stunden können die rund 6ha Reben, Hauptsorte Pinot Noir, mit vier Fahrzeugen behandelt werden.
Der frühe Abschlusstermin mit den nachfolgenden Niederschlägen führte zwar zu einem Falschen Mehltaubefall auf dem Neuzuwachs. Die älteren Blätter und die Trauben sahen aber fit aus, und die Ernteerwartungen sind gut!
Durchs idylische Weinbaudorf Malans gings weiter Richtung Completerhalde. Hier gab uns Astrid Schifferli einen Überblick über die Herausforderungen der Demeterumstellung und des Completeranbaus in der Steillage. Christian Obrecht, der in dieser Lage ebenfalls Completer bewirtschaftet, erklärte uns, dass diese eigenwillige «Ursorte», eine der Raritäten der Bündner Herrschaft ist. Leider ist sie von Alternanz betroffen, dafür aber Säurefest und für Europäische Traubensorten gegen die Mehltaupilze ziemlich robust. Von Louis Liesch, der das elterliche Bioweingut von rund 2.5ha weiterführt (seit 40 Jahren biozertifiziert!), erfuhren wir, wie schwierig die Anfänge waren. Und dass auch heute noch nicht alle verstehen, dass Weingärten auch wilder aussehen können…
Alle drei Demeterbetriebe arbeiten mit vorbeugenden Kupfer-Schwefelbehandlungen gegen Mehltauinfektionen. Beim Chardonnay, der besonders auf Echten Mehltau anfällig ist, wie auch auf Holzkrankheiten wie Esca, wird die Traubenzone besonders gut ausgelaubt. In Jenins, wo der Druck grösser ist als in Malans, wird auch Schwefelpulver gestäubt.
Laut Astrid Schifferli erkennt man klar, wo von Hand mit Gun gespritzt wird und wo mit dem Traktor die Fungizide ausgebracht werden (Fahrspuren, Verdichtungen). Auf die Frage vom Schreibenden, warum man nicht mehr auf pilzwiderstandsfähige Sorten und Diversität setzt, was nachweislich die Bodengesundheit (Bodenmikrobiom) und Bodenfruchtbarkeit positiv unterstützt, kam keine richtige Diskussion auf. Jemand meinte sogar, dass fruchtbarer Boden nicht erwünscht ist…
Nach dem Rebrundgang wurden die rund 30 Winzerinnen und Winzer wunderbar in der Dorfmitte von Malans verköstigt. Natürlich in Begleitung von verschiedenen spannenden Weinkreationen. Unter anderem von einem gelungenen Pinot Gris aus der Akazie, als Naturwein ausgebaut, von Louis Liesch, einem herrlichen Weissburgunder im Holzfass ausgebaut vom Weingut Wegelin, oder dem gut ausbalancierten Monolith vom Weingut Obrecht. Wir danken herzlichst den Weinsponsoren!
Beim Kaffee gab es von Walter Häfliger noch einige interessante Infos. Wie etwa, dass die Crossflowfiltration wieder zugelassen wird und dass möglicherweise in Deutschland Kaliumphosphonat zugelassen wird. Zudem verkündete er, dass die Demeterweiterbildung 2026 zum gleichen Zeitpunkt bei Antoine Kaufmann in Aesch BL stattfinden wird. Auch wird eine NachfolgerIn für Walter Häfliger gesucht. Zudem stand die Frage im Raum, ob künftig ein zusätzlicher Weiterbildungstag rund um unsere Demeterthemen organisiert werden soll.
Am Nachmittag konnte man wählen, ob man in Malans das Weingut Wegelin oder in Jenins das Weingut Obrecht besichtigen möchte. Wer die Wahl hat, hat die Qual…, den beide Weingüter überzeugen durch eine klare Philosophie und tolle Weinqualitäten!
Abschiessend: Der offene fachliche Austausch wie auch die zwischenmenschlichen Gespräche wurden von allen sehr geschätzt. Wir danken allen mitorganisierenden Betrieben für die spannenden Eindrücke und wünschen allen eine erfolgreiche Weinlese 2025!
Roland Lenz / Iselisberg 21.8.2025
Für die Agenda: Das nächste Treffen findet am 21.08.2026 in Aesch BL bei Klus 177 statt.