Geschichte und Verantwortung

In der langen Geschichte des Demeter-Labels gibt es auch belastende Kapitel – rassistische Aussagen von Rudolf Steiner sowie Verstrickungen von Teilen der biodynamischen Bewegung mit dem NS-Regime. Demeter Schweiz setzt sich damit offen auseinander.

Rassistische Aussagen von Rudolf Steiner

Die Schriften von Rudolf Steiner, auf dessen Theorien die biodynamische Landwirtschaft beruht, enthalten Aussagen, die aus heutiger Sicht rassistisch und inakzeptabel sind. Demeter Schweiz bedauert diese Aussagen zutiefst. Sie entsprechen in keiner Art und Weise unseren Werten.

Demeter Schweiz wendet sich entschieden gegen Rassismus, Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung. Demeter Schweiz steht ein für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Pluralismus und Offenheit.

Zur Einordnung: Rudolf Steiners Gesamtwerk kann nicht als rassistisch bezeichnet werden. Eine Untersuchungskommission kam zum Schluss: «Unterstellungen, Rassismus wäre der Anthroposophie inhärent (…) haben sich als kategorisch unrichtig erwiesen.» Das ändert jedoch nichts daran, dass einzelne Aussagen aus heutiger Sicht klar rassistisch sind und als solche benannt werden müssen.

Im Mittelpunkt der anthroposophischen Philosophie stehen der Wert und die Entwicklung jedes einzelnen Menschen, individuelle Freiheit, gesellschaftliche Verantwortung sowie Kosmopolitismus.

Verstrickungen mit dem NS-Regime

1933, zum Zeitpunkt der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, war die biodynamische Landwirtschaft eine junge, aufstrebende Bewegung. Teile dieser Bewegung passten sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten an, etwa durch die Gründung eines «Reichsverbands für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise» und den Ausschluss jüdischer Mitglieder. Es gab Kontakte zu NS-Institutionen.

Die biodynamische Bewegung war damals heterogen und lose organisiert. Es entwickelten sich unterschiedliche, individuelle Haltungen gegenüber dem NS-Regime. Während einige Exponenten kooperierten, hielten andere Distanz oder widersetzten sich aktiv.

Nationalsozialistische Grössen wie Rudolf Hess oder Heinrich Himmler interessierten sich für die biologisch-dynamische Landwirtschaft. 1940 wurden Teile des Gemüsegartens des Konzentrationslagers Dachau auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung umgestellt. Häftlinge mussten unter schlimmsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten.

Nachdem sich die Machtverhältnisse innerhalb der politischen Führung verschoben hatten, wurde die biodynamische Bewegung 1941 in Deutschland verboten.

Zusammenfassend war die Beziehung zwischen Exponenten der biodynamischen Bewegung und dem NS-Regime ambivalent und widersprüchlich. Es gab Anpassung und Kooperationen, aber auch Konflikte, ideologische Differenzen und schliesslich staatliche Repression.

Unsere Haltung heute

Demeter Schweiz setzt sich mit dieser Geschichte bewusst auseinander. Wir halten es für notwendig, belastende Aspekte klar zu benennen, historisch einzuordnen und daraus Verantwortung für die Gegenwart abzuleiten. Unsere Orientierung sind heute Menschenrechte, Gleichberechtigung, Offenheit und Respekt.

Vertiefung

Zur vertieften Auseinandersetzung mit der Geschichte der biodynamischen Bewegung und Demeter in der NS-Zeit verweisen wir auf weiterführende Literatur und Forschung, darunter das Buch «Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit».

Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit
Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit

Jens Ebert, Meggi Pieschel, Susanne zur Nieden
477 Seiten, 2024, Metropol-Verlag, ISBN 978-3-86331-760-7