Das Tierwohl fördern

Das Tierwohl ist ein zentraler Wert in der biodynamischen Landwirtschaft. Mit Tierwohl-Initiativen wie «Hahn im Glück» und ehrgeizigen Richtlinien strebt Demeter nach einer verantwortungsvollen Landwirtschaft, die eine wesensgemässe Tierhaltung garantiert.

Landwirt*innen übernehmen Verantwortung

Um das Leben der Tiere optimal zu fördern und zu schützen, übernehmen biodynamische Landwirt*innen Verantwortung. Durch Beobachtung und Empathie lernen sie die natürlichen Bedürfnisse ihrer Hoftiere kennen und verstehen. Die Beziehung zu den Tieren ist persönlich und individuell gestaltet. Die Demeter-Richtlinien bilden dabei die Basis, die alle Demeter-Betriebe einhalten müssen.

Aus gesunden Kälbern werden gesunde Rinder

Ob Kalb, Rind oder Kuh – die wesensgemässe Tierhaltung steht bei Demeter im Zentrum. Wir fördern gezielt die Gesundheit der Kälber und übernehmen Verantwortung für jene Tiere, die nicht in der Milchwirtschaft eingesetzt werden können.

Besonders Kühe spielen in einem natürlichen Hofkreislauf eine zentrale Rolle. Sie sorgen mit ihren Kuhfladen für fruchtbare Böden. Und im Gegensatz zu uns Menschen haben sie eine wunderbare Fähigkeit: Als Wiederkäuer können sie Gras verwerten und in menschliche Nahrung verwandeln: So machen sie mit ihrer Milch und ihrem Fleisch das Grasland für uns Menschen verwertbar.

Rind im Glück

Damit eine Kuh Milch geben kann, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Doch ein Grossteil dieser Kälber kann nie in der Milchwirtschaft eingesetzt werden. In der konventionellen Landwirtschaft werden diese Kälber meist ohne genügend ausgebildetes Immunsystem in Mastbetriebe geliefert. Nicht so beim Projekt «Rind im Glück».Kälber aus dem Projekt «Rind im Glück» bleiben in mutter- oder ammengebundener Haltung so lange auf dem Geburtsbetrieb, bis sie stark genug sind und nicht mehr mit Milch versorgt werden müssen. Das bedeutet, sie dürfen in dieser Zeit ihre Milch direkt ab dem Euter trinken, entweder bei der Mutter oder bei einer Ammenkuh.

Starkes Immunsystem

Der Verbleib auf dem Geburtsbetrieb und die artgerechte Milchaufnahme am Euter sind die besten Voraussetzungen dafür, dass sie sich gesund entwickeln und mit einem starken Immunsystem ins Leben starten.Vorbeugende Behandlungen mit chemisch-synthetischen, allopathischen Medikamenten, Antibiotika und Hormonen sind bei Demeter verboten. Antibiotika kommt nur im Ausnahmefall zum Einsatz, wenn es darum geht, Schmerzen zu vermieden. Auch hier steht das Tierwohl im Zentrum.

Leben in der Herde

Nach drei bis fünf Monaten ist der Zeitpunkt erreicht, an dem die Kälber nicht mehr auf Milch angewiesen sind: Sie sind alt genug, um sich mit Raufutter zu ernähren. Nach der Abtränkphase leben die Jungtiere entweder weiterhin auf dem Geburtsbetrieb oder sie wechseln auf einen anderen Demeter-Betrieb. Die Tiere werden dort in die Herde integriert.

Tiere, die nicht zu Kalbfleisch verarbeitet werden, kommen im Alter von vier bis fünf Monaten auf einen Weidebetrieb, wo sie in die Herde integriert werden. Sie können sich artgerecht ernähren und beim Kontakt mit den erwachsenen Kühen das Sozialverhalten in der Herde erlernen.

Das zeichnet die Demeter-Rindviehhaltung aus:
  • Das Enthornen von Tieren und enthornte Tiere sind nicht erlaubt.
  • Möglichst viele Kälber werden auf einem biologisch-dynamischen Hof abgetränkt und werden frühestens mit 120 Tagen auf einen anderen Betrieb verstellt.
  • Gentechnologisch veränderte Tiere und Tiere aus Embryotransfer sind verboten.
  • Mindestens 80 Prozent des Futters müssen vom eignen Betrieb stammen. Bei der Fütterung ist die Selbstversorgung anzustreben.

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Verantwortungsvolle Geflügelhaltung

Demeter engagiert sich für eine wesensgerechte Geflügelhaltung, in der jedes Leben respektiert wird. Im Rahmen des Tierwohlprojekts «Hahn im Glück» übernehmen wir Verantwortung für die männlichen Tiere.

Wer Demeter-Eier konsumiert, kann sich auf das Versprechen von «Hahn im Glück» verlassen: Der Bruder der Legehenne wächst mit auf. Er wird nicht kurz nach der Geburt vergast oder bereits als Embryo im Ei getötet. Bei Demeter ist bereits seit 2019 verboten, was in der konventionellen Landwirtschaft noch immer praktiziert wird.

Problematische Hochleistungsrassen

Moderne Hochleistungsrassen werden entweder auf maximale Eierleistung oder Fleischleistung gezüchtet. Die männlichen Küken von Rassen, die für die Eierproduktion optimiert wurden, eignen sich deshalb nicht für die Fleischproduktion.

Die Lösung: Zweinutzungstiere

Demeter geht einen anderen Weg: Wir setzen auf Zweinutzungsrassen. Bei Tieren dieser Rassen sind Legeleistung und Fleischansatz ausgewogen. So ist eine verantwortungsvolle und respektvolle Tierhaltung möglich.

Feed No Food

Hühner fressen unter anderem Getreide, das auch für die menschliche Ernährung geeignet wäre. Demeter strebt den Grundsatz von Feed No Food an – auf Deutsch: «Verfüttere keine Nahrungsmittel». Das Ziel dieses Konzepts: Für Menschen geeignete Nahrungsmittel sollen idealerweise nicht an Tiere verfüttert werden. Stattdessen sollen Tiere Gras, Heu und andere Futterpflanzen fressen, die für den Menschen nicht direkt verwertbar sind.

Zudem sind Hühner perfekte Verwerter von Neben- und Abfallprodukten aus der Nahrungsmittelherstellung. Zweinutzungsrassen brauchen weniger hochwertiges Eiweiss und können einen höheren Anteil an Rohfasern verdauen. Darum soll das Geflügel bei Demeter als Resteverwerter innerhalb des landwirtschaftlichen Kreislaufes seinen Platz einnehmen.

Das zeichnet die Demeter-Geflügelhaltung aus:
  • Obligatorische Freilandhaltung, mind. 5 m2 Grünauslauf pro Tier
  • Jedes Huhn hat im Stall seinen Stangenplatz mit Tageslicht.
  • Kein Entfernen oder Kürzen von Schnäbeln, Krallen oder Flügeln
  • Für jede Legehenne wächst ein männliches Tier mit auf.
  • 100 Prozent Bio-Futter, mindestens 50 Prozent stammt vom eigenen Hof.
  • Überschaubare Herdengrössen: maximal 250 resp. 500 Tiere (bei Haltung mit Voliere) pro Herde; maximal 2000 Legehennen pro Betrieb.

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Tierwohl bis zum Letzten

Wie beendet ein Tier sein Leben? Dies ist eine der grössten Herausforderungen für Landwirt*innen. Das oberste Gebot bei Demeter: Das Tier soll so wenig Stress, Angst und Schmerz wie möglich verspüren. Darum unterstützen wir die Hoftötung.

Es mag aufs Erste unlogisch klingen: Die Hoftötung ist ein wichtiger Faktor für das Tierwohl. Die Verantwortung für das Wohl des Tieres ist gerade in den letzten Stunden seines Lebens besonders wichtig. Hier bietet die Hoftötung überzeugende Vorteile.

Stress und Angst vermeiden

Die Tiere werden in ihrer gewohnten Umgebung in einer entspannten Atmosphäre getötet. Im Vergleich zur herkömmlichen Schlachtung bleibt den Tieren der Stress des Transports und die Angst in den Schlachthöfen erspart. Dies wirkt sich positiv auf die Stressbelastung der Tiere und somit auch auf die Fleischqualität aus.

Die Demeter-Richtlinien halten fest: «Oberster Grundsatz ist es, der Tier-Mensch-Beziehung gerecht zu werden. Diese beinhaltet unter anderem Stress, Leiden und Angst der Nutztiere beim Lebendtransport und bei der Schlachtung so gering wie möglich zu halten.» Dieses Ziel verfolgt Demeter unter anderem in der Zusammenarbeit mit Schlachthöfen und mit dem Schweizerischen Tierschutz.

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Verantwortung für jedes Tier

Viele Tiere, die auf einem Bauernhof geboren werden, können nie in der Eier- oder Milchproduktion eingesetzt werden. Demeter übernimmt auch für sie Verantwortung.

Demeter hat konkrete Antworten und verfolgt ambitionierte Ziele. Wir sind überzeugt: Es gibt kein unwertes Leben auf dem Bauernhof. Bei Demeter gibt es keine Tiere, die als unliebsame Nebenprodukte gesehen werden.

Demeter setzt auf Zweinutzungsrassen. Das heisst, die gleiche Rasse kann für zwei unterschiedliche Nutzungen verwendet werden: die weiblichen Tiere für die Eier- oder Milchproduktion, die männlichen Tiere für die Fleischproduktion.

Für die Produktion von Eiern und Milch braucht es weibliche Tiere; Hennen legen Eier, Kühe geben Milch. Beispiel Eier: «Für jede Legehenne muss ein männliches Küken mit aufwachsen», so steht es in den Demeter-Richtlinien. Weiter halten die Richtlinien fest: «Legehennen, welche dem Zweck des Eierlegens nicht mehr dienen und getötet werden, müssen geschlachtet und als Lebensmittel weiterverarbeitet werden.»

Beispiel Milch: Demeter denkt die Produktion von Milch und Fleisch gemeinsam, denn sie hängt untrennbar zusammen. Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie ein Kalb zur Welt gebracht hat. Doch ein Grossteil dieser Kälber kann später nicht für die Milchproduktion verwendet werden.

Darum setzen Demeter-Bauernhöfe auf Rassen, die sowohl Milch als auch hochwertiges Fleisch liefern. Damit streben wir nach einer nachhaltigen und respektvollen Landwirtschaft, in der kein Tier zum Abfallprodukt wird.

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Tierwohl in den Demeter-Richtlinien

Das sind die wichtigsten Bestimmungen zum Tierwohl in den Demeter-Richtlinien:

  • Tiere bleiben unversehrt – das Enthornen sowie das Kürzen von Schnäbeln, Flügeln oder Schwänzen ist verboten.
  • Die Tiere werden ihren Bedürfnissen angepasst gefüttert. Bei Wiederkäuern bedeutet dies fast ausschliesslich Gras, Heu oder Silage. Getreide wird nur in Ausnahmefällen verfüttert.
  • Das Futter ist zu 100 Prozent biologisch und stammt zum grösstmöglichen Anteil vom eigenen Hof.
  • Für jede Legehenne wächst ein männliches Küken unter biodynamischen Bedingungen auf. Das Entsorgen von männlichen Küken ist verboten.
  • Möglichst viele Kälber bleiben mindestens 120 Tage auf dem Geburtsbetrieb oder einem befreundeten biologisch-dynamischen Partnerbetrieb. Erst wenn das Immunsystem der Kälber voll entwickelt ist, dürfen die Tiere in einen Mast- oder Aufzuchtbetrieb versetzt werden.
  • Im Zentrum steht die gesundheitliche Vorsorge. Im Krankheitsfall wird ein Tier in erster Linie mit alternativer Medizin behandelt
  • Tiere müssen in Gruppen gehalten werden.
  • Alle Tiere geniessen regelmässigen Auslauf im Freien.

Wesensgemässe Tierhaltung

Auf biodynamischen Bauernhöfen werden Tierhaltung und -pflege so gestaltet, dass sie den natürlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Tiere möglichst gerecht werden. So entsteht eine gesunde und respektvolle Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Die bekannteste und auffälligste Bestimmung in unseren strengen Tierwohl-Richtlinien betrifft die stolzen Demeter-Kühe, die ihre Hörner behalten. Das Enthornen ist verboten. Ziel ist es, den Tieren ein Leben zu ermöglichen, das ihren artspezifischen Eigenschaften und ihrem natürlichen Verhalten möglichst nahekommt