Emma Bräutigam (19) absolviert die Biodynamische Ausbildung Schweiz in Rheinau (ZH). In ihrem ersten Lehrjahr als Landwirtin hat sie Selbstvertrauen und eine tiefe Beziehung zu Tieren aufgebaut.

Das Gesicht ist sonnengebräunt. Die Schritte sind entschlossen, der Blick zielgerichtet. Wenn Emma Bräutigam über den Altschhof in Dotnacht schreitet, weiss sie, was sie will. Seit neun Monaten arbeitet und lernt sie nun auf dem Lehrbetrieb im Kanton Thurgau.
Ihr Ziel: der eidgenössische Fähigkeitsausweis als Landwirtin mit Schwerpunkt biologischer Landbau sowie die Zusatzausbildung zur Fachperson in biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Regelmässig besucht die 19-Jährige die Unterrichtsblöcke der Biodynamischen Ausbildung Schweiz im zürcherischen Rheinau (siehe unten).

Tiefe Verbindung mit den Tieren

Was zu Beginn ihrer Ausbildung vor allem Staunen und Kennenlernen bedeutete, ist heute professionelle Routine und ein vertieftes Verständnis für die Arbeit geworden. Emma Bräutigam sagt: «Ich weiss selbstständig, was es zu tun gibt, und habe den Überblick. Zudem habe ich eine viel tiefere Verbindung zu den Tieren aufgebaut.»
Schweine und Hühner füttern, Eier einsammeln, Kälber versorgen: Emma Bräutigam übernimmt bereits viel Verantwortung. Trotz aller Professionalität ist ihre Liebe zu den Tieren nicht zu übersehen. Sie füllt die Futtertröge auf der Schweineweide auf: Das lockt selbst die faulsten Tiere aus der Schlammsuhle. Während die einen noch genüsslich schmatzen, holen sich andere bereits ihre Streicheleinheiten bei der jungen Baslerin ab.

Praxis und Theorie

Punkt 16.30 Uhr steht Emma Bräutigam im Melkstand. Sie erzählt: «Wenn du mit einer Kuh Tag für Tag im Melkstand arbeitest, lernst du sie wirklich kennen. Es ist faszinierend, die verschiedenen Charaktere der Tiere zu erkennen. Ich weiss, wie die einzelnen Tiere reagieren. Das erleichtert die Arbeit – und es ist enorm bereichernd.»
Im August beginnt für Emma Bräutigam das zweite Lehrjahr: «Die Arbeit als Landwirtin, von der ich immer geträumt habe, ist Realität geworden und mir ans Herz gewachsen. Wenn ich mit Freundinnen zusammen bin, muss ich manchmal aufpassen, dass ich nicht ständig von meiner Arbeit und den Tieren schwärme. Ich weiss, diese Themen interessieren nicht alle so sehr wie mich.»