Emma Bräutigam (19) absolviert die Biodynamische Ausbildung Schweiz in Rheinau. Wir begleiten die Baslerin durch ihr erstes Lehrjahr als Landwirtin. 

Emma Bräutigam sitzt im Schatten vor dem Hofladen und trinkt einen grossen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Die Schweiz ächzt unter einer historischen Hitzewelle. Nebenan hört die Baslerin das leise Zischen der Vernebelungsanlage, die den Laufstall der Kühe herunterkühlt.

Den Tieren ist es zu heiss, sie wollen nicht mehr auf die Weide. Doch da gäbe es sowieso kaum etwas zu fressen. Das Gras wächst nicht mehr. Das bereitet Emma Bräutigam Sorgen: «Wir müssen die Tiere täglich füttern, das machen wir normalerweis nur im Winter. Besonders schlimm: Viele müssen jetzt schon Wintervorräte verfüttern, die später fehlen werden.»

Erfahrungen sammeln

Anfang August hatte die 19-Jährige ihren ersten Arbeitstag auf dem neuen Betrieb. Sie absolviert ihr zweites Lehrjahr auf dem biodynamischen Gut Rheinau im Kanton Zürich – unweit der Biodynamischen Ausbildung Schweiz (siehe Box), wo sie zur Schule geht.

Nach dem ersten Lehrjahr auf einem Familienbetrieb ist Emma Bräutigam nun Teil eines viel grösseren, bunten Teams. Eine neue Welt für sie: «Mir gefällt die Aussicht, dass ich während meiner vierjährigen Ausbildung ganz unterschiedliche Betriebe und landwirtschaftliche Konzepte kennenlernen werde. Ich kann wertvolle Erfahrungen sammeln, um später entscheiden zu können, was ich für mich ganz persönlich will.»

Das Tierwohl ist ein zentrales Anliegen

Zuerst einmal will Emma Bräutigam die Ammenkuhhaltung des Guts Rheinau kennenlernen. Emma Bräutigam: «Die Kälber wachsen in der Herde auf und können an einem Euter trinken. Das fühlt sich für mich sehr stimmig an. Es braucht bei der Ammenkuhhaltung viel Nähe zu den Tieren und eine gute Beobachtungsgabe, um sicher zu stellen, dass man den Bedürfnissen aller Tiere gerecht wird.»

Und wo sieht sich Emma Bräutigam in fünf Jahren? «Auf Reisen», antwortet sie lachend und fährt fort: «Nach der Ausbildung möchte ich Wanderjahre absolvieren und biodynamische Betriebe in anderen Ländern kennenlernen. Mit meiner Ausbildung wäre ich optimal darauf vorbereitet.»