Zwölf Imker*innen aus der ganzen Schweiz kamen im Oktober in Guarda zum jährlichen Treffen der Demeter-Imkerei zusammen. Neben spannenden Gesprächen und wertvollem Erfahrungsaustausch boten die Einblicke in die praktische Imkereiarbeit viele neue Eindrücke vor der eindrücklichen Kulisse des Engadins.
Text: Patricia Durán
Herzlicher Empfang im Schellen-Ursli-Dorf
Bei strahlendem Sonnenschein und mit frisch gezuckerten Berggipfeln im Hintergrund trafen wir uns zum vierten Mal in Folge im wunderschönen Schellen-Ursli-Dorf Guarda. Eileen und Timon empfingen uns herzlich mit Kaffee und Kuchen.
Martin Dettli begrüsste die Runde und eröffnete das Treffen. Bei der anschliessenden Vorstellungsrunde lernten wir Imkerinnen aus der ganzen Schweiz kennen. Zum Abschluss erzählte Martin aus seinem Erfahrungsschatz von 43 Jahren Imkerei und leitete damit zu den fachlichen Diskussionen über.
Lebhafter Austausch
Zu Beginn blickten wir auf die abgeschlossene Überarbeitung der Richtlinie zurück, die die Demeter-Imker*innen in den vergangenen Jahren beschäftigt hatte. Im Zentrum stand der Ansatz, nicht das Produkt, sondern den Prozess zu zertifizieren. Dieser gilt weiterhin als wichtiger Schritt für die Demeter-Imkerei.
Ein separates Schwerpunktthema war die behandlungsfreie Imkerei. Martin berichtete von einem seiner Bienenvölker im Elsass, das ohne Behandlung gegen Varroa geführt wird. Als wichtige Rahmenbedingungen nannte er die geringe Bienendichte und genügend Abstand zwischen den Völkern.
Seine Erfahrungen regten einen lebhaften Austausch an: Ist ein behandlungsfreies Verfahren auch bei einer höheren Bienendichte möglich? Welche Voraussetzungen braucht es dafür? Und welche Erfahrungen liegen bereits vor?
Ein Merkblatt könnte interessierten Imker*innen den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig wurde deutlich, wie schwierig, allgemeingültige Empfehlungen sind, da die Bedingungen je nach Standort variieren. Die Varroa bleibt dabei ein zentrales Thema. Es braucht weitere Erfahrungen und Zeit, um diesen Ansatz weiterzuentwickeln. Bei Agni soll die behandlungsfreie Imkerei deshalb auch im kommenden Jahr wieder Thema sein.
Fachgruppen, Kontrollen und gemeinsame Anliegen
Im weiteren Verlauf gab Patricia Durán einen Einblick in das Fachgruppen-Reglement und erläuterte, welche Voraussetzungen für die Gründung einer Fachgruppe erfüllt sein müssen und wer darüber entscheidet.
Zum Abschluss des Vormittags fassten wir die wichtigsten Anliegen zusammen. Dabei ging es auch um die Erfahrungen mit den Kontrollen, deren Qualität und mögliche Verbesserungen. Weitere Themen waren die behandlungsfreie Imkerei und ein mögliches Merkblatt, ein Einführungskurs für die Westschweiz, die Kosten der Kontrollen, die Gewinnung weiterer Menschen für die Demeter-Imkerei, Peer-to-Peer-Reviews als Unterstützung der Kontrollen sowie Etiketten mit Erstöffnungsschutz. Auch die Varroa blieb ein zentrales Gesprächsthema.
Einblicke in die Imkereipraxis
Nach dem Vormittag genossen wir im Crusch Alba ein wunderbares Mittagessen mit regionalen Speisen. Gestärkt machten wir uns anschliessend auf, um die praktische Arbeit von Eileen und Timon kennenzulernen.
In ihrer Werkstatt erhielten wir Einblick in den Bau ihrer eigenen Bienenkästen. Danach besichtigten wir den Verarbeitungsraum, in dem der Honig geschleudert und abgefüllt sowie Wachs verarbeitet wird. Die Besichtigung bot eine schöne Gelegenheit, die verschiedenen Arbeitsschritte kennenzulernen und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.
Unsere Besichtigung führte uns weiter zum Bienenhaus in Ardez am Standort Calchera. Der Name geht auf eine nahegelegene Ruine zurück, in der früher Kalk gebrannt wurde.
Im Bienenhaus liessen wir den Tag ausklingen. Während draussen die ersten Schneeflocken fielen, stellte Timon eine Honiganalyse vor. Überraschenderweise bestand der untersuchte Honig mehrheitlich aus Himbeernektar. Dies führte zu einem kurzen Austausch über Honiganalysen und den Erfahrungen der Teilnehmenden. So liessen wir den Tag in gemütlicher Runde und mit vielen Eindrücken ausklingen.
Unser Treffen in Guarda war geprägt von herzlicher Gastfreundschaft, wertvollen Begegnungen und einem offenen, konstruktiven Austausch. Ein herzliches Dankeschön an Eileen und Timon für den freundlichen Empfang, die feine Verpflegung und die spannenden Einblicke in ihre Arbeit sowie an alle Teilnehmenden für ihre Beiträge und den bereichernden Austausch.
Wir freuen uns darauf, die begonnenen Diskussionen weiterzuführen und uns im nächsten Jahr wiederzusehen.
Das nächste Treffen:
Samstag, 23. Oktober 2027
Bei Susanne Zimmer in Schafisheim
Rudolf Steiner Schule
Alte Bernstrasse 14
5503 Schafisheim