Sonntagseier & Festtagshähnchen

Pluspunkte der Demeter-Geflügelhaltung

  • 100% Bio-Futter
  • Jeder Betrieb muss mindestens 20 % des Futters selbst produzieren; ab 2025 mindestens 50%
  • Männliche Küken werden nicht entsorgt, sondern wachsen unter biodynamischen Bedingungen auf
  • Ausschliesslich Freilandhaltung
  • Überschaubare Herdengrösse
  • In jeder Legehennenherde werden auch Hähne gehalten
  • Jedem Huhn sein Stangenplatz im Stall mit Tageslicht
  • Stressvermeidung dank grosszügigem Stallbau und Grünauslauf mit Schutz vor Feinden, Hitze, Regen und Wind
  • Kein Kupieren von Schnäbeln, Krallen oder Flügeln
  • Sukzessive steigender Anteil extensiver Zweinutzungstiere für mehr Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Hähne und Hennen wachsen auf

Demeter-„Hahn im Glück“ bedeutet: Jedes Demeter-Huhn ermöglicht einem männlichen Küken das Grosswerden. Das Hähnchen wächst unter biodynamischen Bedingungen auf, geniesst viel Auslauf, erhält Demeter-Futter und kommt nach einigen Monaten als Junghahnfleisch auf den Markt. Bei Zweinutzungstieren sind Legeleistung und Fleischansatz ausgewogen – das bedeutet, dass die Hennen zum Eier-Legen und als Suppenhühner und die Hähne für die Fleischproduktion genutzt werden können.

Hähnchen oder Hühnchen?

Bei Demeter wachsen Schwestern und Brüder auf.

Diese Frage war bisher für die meisten frisch geschlüpften Küken eine Frage des Überlebens, denn die männlichen Küken der Hochleistungs-Rassen werden normalerweise auf konventionellen Betrieben keine zwei Tage alt: wegen der einseitig hochgezüchteten Eierproduktion bei den weiblichen Tieren, setzen die männlichen Tiere im Verhältnis zur benötigten Futtermenge zu wenig Fleisch an, so dass sich ihre Ausmast finanziell nicht rechnet.

Restenverwertung statt Nahrungskonkurrenz

Im Fokus der Demeter-Geflügelhaltung steht eine sich selbst tragende, auf Familienbetrieben basierende Geflügelwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung und möglichst inländischer Futtergrundlage – Anteil an hofeigenem Futter sukzessive steigend (aktuell bei mindestens 20%, ab 2025 mindestens 50%).

Die Frage der Futterverwertung spielt beim Geflügel eine zentrale Rolle, denn ihr Futterbedarf steht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung: Solange die Tiere nicht mit Nebenprodukten gefüttert werden können, kann die Anbaufläche für ihr Futter nicht für menschliche Ernährung genutzt werden. Eine Fütterung mit hofeigenem Futter und Nebenprodukten aus der Nahrungsmittelproduktion kann nur mit Zweinutzungsrassen umgesetzt werden, denn das sind Tiere mit grossen Mägen: Sie brauchen weniger hochwertiges Eiweiss, können einen höheren Anteil an Rohfasern verdauen und auch von Resten satt werden. Das Geflügel der Zukunft soll bei Demeter als Restenverwerter innerhalb des landwirtschaftlichen Kreislaufes wieder seinen Platz einnehmen.

Bei Demeter Schweiz gibt es nur Hähne im Glück

Demeter Schweiz startete mit «Hahn im Glück» ein Projekt, das eine Alternative zu der konventionellen Praxis der Eierproduktion bot. Mittlerweile sind Richtlinien geschaffen und die gesamte Demeter-Geflügelhaltung findet unter dem Kreislaufgedanken statt.

Extensive Zweinutzungsrassen eignen sich speziell für biologisch wirtschaftende Betriebe: Sie sind gute Futterverwerter, Legeleistung und Fleischansatz sind bei ihnen ausgewogen.

Das längerfristige Ziel ist aber umfassender: Wir wollen eine biologisch gezüchtete Geflügelrasse. Dafür engagieren wir uns bereits intensiv auf verschiedenen Demeter-Betrieben. Die Demeter-Geflügel-Haltung fängt bei der artgerechten Bio-Züchtung und der Bruteierproduktion an und soll die Aspekte der respektvollen Tierhaltung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereinen.

Das Ziel heisst «Extensive Zweinutzungstiere» aus Bio-Züchtung

Mit der Beteiligung an der Bio-Zucht einer Hühnerrasse für die biodynamische Haltung und die Einführung der Gebrauchskreuzung Coffee & Cream der gemeinnützigen Ökologischen Tierzucht-Initiative ÖTZ konnte ein wichtiger Schritt auf einem langen Weg realisiert werden. Bei den Coffee-Hennen und -Hähnen sind Legeleistung und Fleischansatz ausgewogen – das bedeutet, dass die Hennen zum Eier-Legen und als Suppenhühner und die männlichen Küken für die Fleischproduktion genutzt werden können. Sie verwerten das möglichst vom eigenen Hof stammende Futter besser und sind allgemein robuster.

Grosse Veränderungen brauchen Zeit

In der Schweiz gibt es seit längerer Zeit Demeter-Betriebe mit eigener Zucht von Zweinutzungstieren oder mit der Haltung von Tieren alter Rassen. Der Import der ersten Zweinutzungstiere aus Bio-Zucht bedeutet, dass in Zukunft genügend Küken verfügbar sein werden für alle Produzent*innen, die dies möchten – ein wichtiger Schritt Richtung bäuerliche Autonomie und Tierwohl. Noch kann nicht jeder Betrieb, der eine Herde mit Zweinutzungstieren haben möchte, diese auch bekommen. Mit dem Aufbau eigener Zweinutzungshühner-Brütereien in der Schweiz werden es aber Schlupf für Schlupf mehr.

Konventionelle Zuchtziele und ökologische Haltung passen nicht zusammen: Die Züchtung ist weltweit noch immer auf Käfighaltung ausgelegt

Bisher kommen auch in der Bio-Geflügelhaltung die Bruteier zu 99 % von Zuchttieren aus konventioneller Züchtung und von sogenannten Hybridtieren, deren Zucht in der Hand von gerade mal vier Konzernen weltweit liegt, die profit- und nicht tierwohlorientiert sind. Dagegen führt Inga Günther, Geschäftsführerin der ÖTZ, folgende Argumente ins Feld: «Das Zweinutzungshuhn ist das Ökohuhn der Zukunft: Ohne Kükentöten, ohne Hochleistungsspezialisierung, ohne Konzerne. Dafür stehen Tierwohl und Tiergesundheit im Fokus.»

  • Konventionelle Zuchtziele und ökologische Haltung passen nicht zusammen: Die Züchtung ist weltweit noch immer auf Käfighaltung ausgelegt
  • Das Ziel von Biobetrieben ist die ressourcenschonende Fütterung. Eine der Voraussetzungen dafür sind Tiere mit grossen Mägen, weil sie dann weniger hochwertiges Eiweiss brauchen, einen höheren Anteil an Rohfasern verdauen können und auch von Resten satt werden.
  • In der extensiven Geflügelhaltung können Tiere beider Geschlechter ressourcenschonend aufgezogen und leistungsbedingte Krankheiten vermieden werden.
  • Eigenständige Strukturen in Produzent*innen-Hand lösen die Abhängigkeit von industriellen Strukturen ab.
  • Angepasst an biologische und biodynamische Haltungsumgebung
  • Keine hochleistungsbedingten Krankheiten
  • Kein Kükentöten
  • Robusterer Körperbau, dank dem die Tiere weniger anfällig sind für Brustbeinfrakturen
  • Grosse Mägen, hohes Körpergewicht
  • Hohe Toleranz gegen schwankende Nährstoffdichten im Futter
  • Einsatz von hofeigenem regionalem Futter möglich
  • Zweinutzungstiere sind hervorragende Restenverwerter
  • Keine Abhängigkeit von industriellen Strukturen
Die Rechnung ist einfach: 5 Eier pro Woche = 1 «Hahn im Glück»-Hähnchen pro Jahr

Damit Geflügelhaltung langfristig nachhaltig sein kann, sind auch die Konsument*innen aufgerufen. Indem der Konsum von Eiern und Geflügelfleisch bewusst verringert wird und beim Kauf Eier und Geflügelfleisch von biologisch gezüchteten Zweinutzungsrassen bevorzugt werden, kann die Rechnung für alle aufgehen. Damit das Geflügel der Zukunft eine Zukunft bekommt, werden Eier wie anno dazumal als Sonntagsei zelebriert und der Hähnchenbraten oder das Suppenhuhn werden zum Festtagsessen.

„Hahn im Glück“ bedeutet: Zugleich mit der Legehenne wächst auch ihr „Bruder“, ein Hahn, auf. Die Rechnung ist ganz einfach: Wenn eine Familie/ein Haushalt pro Woche fünf Eier konsumiert, müsste pro Jahr ein Demeter-Hähnchen oder -Suppenhuhn genossen werden, damit die Fleisch-Eier-Bilanz ausgeglichen ist.

Inga Günther züchtet das “Bio-Huhn der Zukunft”. Sie setzt dem Kükenmorden, das ein Symptom der etablierten Zuchtstrukturen ist, eine Alternative entgegen, die aus einer anderen Haltung kommt – gegenüber Tier, Umwelt und Mensch: die Zucht des Zweinutzungshuhns. Dieser Weg braucht Mut.

Kurzvideo: Mut ist, trotzdem loszugehen …

Seit Juli 2021 gibt’s das traditionelle «Kafi crème» nicht nur in der Tasse, sondern auch in einigen Geflügelställen von Schweizer Demeter-Produzent*innen: Nach mehr als zwei Jahren Vorbereitung konnten erste Zweinutzungs-Bruteier der Gebrauchskreuzung «Coffee und Cream» der Ökologischen Tierzucht-Initiative ÖTZ gGmbH aus Deutschland importiert werden. Weiterlesen

Diese Betriebe halten bereits Zweinutzungshühner. Nicht alle verkaufen direkt ab Hof Eier oder Hähnchen-/Hühnerfleisch.

BetriebOrt | LieuEier | ŒufsGeflügelfleisch* | Viande de volaille*Verkauf ab Hof | Vente à la fermeEier: weitere Verkaufsstellen |
Œufs : autre points de vente
Geflügelfleisch*: weitere Verkaufsstellen | Viande de volaille* : autre points de vente
Antoine Hentsch1124 Gollionxx
Bio-Hof Heimenhaus3038 Kirchlindachx
Biohof Schüpfenried3043 Uettligenxx
Biohof Steiacher3158 Guggisbergxx
Biohof Wegmatte3053 Diemerswilxxx
Glauser Bendicht & Schneider Claudia3111 Tägertschix
Biohof Dittlige3636 LängenbühlxxOekoladen Thun, Bioladen Gartenbauschule Hünibach, Demetrius Steinerschule SteffisburgOekoladen Thun, Bioladen Gartenbauschule Hünibach, Demetrius Steinerschule Steffisburg
Berglandhof3995 Ernenxx
Büelhof8627 Grüningenxx
Aebi Alvar4223 Blauenx
Buechehof4654 Lostorfxx
Cäsar und Lena Bürgi4718 Holderbank SOxx
Haldenhof Hallwil5705 Hallwilxxx
Hof Schwalmis6028 Herlisbergxxx
Biohof Knüsligen6102 Maltersxx
Puureheimet Brotchorb8143 Stallikonxxx
Hof am Stei8225 SiblingenxxBio Laden Viva Natura, Schaffhausen
Hof Looren8342 Wernetshausenxx
Hof Wagenburg8607 Seegräbenxx
Steigackerhof8546 Kefikonxx
Triemehof8607 Seegräbenxxx
Künzle Julian9249 Algetshausenxx

Diese Produzent*innen, Läden oder Onlineshops bieten Demeter-«Hahn im Glück»-Eier bzw. -Fleisch an

Hahn im Glück – kurz erklärt

Biologische Geflügelzucht – kurz erklärt